Rückblickend betrachtet, war die re:publica 2014 für mich ein wirklich tolles Ereignis. Neben dem Treffen mit vielen, vielen alten und neuen Bekanntschaften, waren für mich selbstverständlich auch die Sessions ein wesentlicher Bestandteil meiner Neugier. Auch im Netz und den Berichten danach konnte man viel über die Themen lesen und sich einen Einblick verschaffen, sollte man mal eine geplante Session verpasst haben – was durchaus vorkommen kann.

Nun hat mich ein Artikel von Stefan Hoffmeister aufhorchen lassen. Er stellt aus meiner Sicht sehr interessante Fragen und provoziert eine Selbstreflexion. Ich denke jeder der sich mit den Themen des Netzes beschäftigt, sollte sich diese Fragen selbst einmal beantworten.

Stefan fragt dazu:

Aber mal ehrlich:

  • Hat sich mein persönliches Leben dadurch verändert?
  • Bin ich deswegen weniger im Internet aktiv?
  • Überlege ich mir genauer, was ich poste, mail oder chatte?
  • Habe ich meine Apps gewechselt?
  • Und wie sieht es bei euch aus?

Meiner Meinung nach ist es nicht relevant ob wir hier über den beruflichen oder privaten Inhalt sprechen, oder versuchen es in diesem Kontext zu kategorisieren. Dem Netz und seinem Nutzer ist dieses egal – Wir konsumieren und verarbeitet es wenn es unsere Neugier reizt, bzw. gezielt danach gesucht haben.

Ich denke niemand ist „mehr oder weniger“ im Internet unterwegs als zuvor.

Vielleicht müssen wir es anders betrachten? Wie viel Internet baut sich um uns herum auf?

Wie ein Schwamm nehmen wir technologische Neuerungen auf. Wir erfreuen uns jeglichen Komforts. Sei es das Smartphone was man sich heute kaum wegdenken kann. Das Tablet, welches uns Dank des größeren Bildschirmes ein angenehmes Lesen unsere Zeitschriften-Abonnements ermöglicht – natürlich Online, oder auch die Smartwatch die des Öfteren in den Medien erwähnt wird. Man könnte hier ins unermessliche Ausschweifen wenn man über die Altersschichten hinweg betrachtet die Vorteile im Ganzen aufzählen möchte.

  • Permanente Kontrolle des Gesundheitszustandes bei älteren Menschen durch einen Arzt.
  • Entsprechende Technologien erlauben mir zu sehen, ob sich „Freunde“ in meiner näheren Umgebung befinden.
  • Chat-Applikationen unterschiedlichster Art ermöglichen mir den kostenlosen und weltweiten Kontakt zu jeder Person, der die entsprechende Technologie ebenso installiert.
  • Unternehmen reagieren und ermöglichen die weltweite Vernetzung. Kostenfreie WLAN-Netze an öffentlichen Plätzen und Einrichtungen sind mitunter keine Seltenheit mehr, sondern werden mehr und mehr als Selbstverständlichkeit betrachtet – Man fragt sich z.B. warum in Hotels für ein WLAN Gebühren bezahlen sollte, während es in anderen Ländern schon wie selbstverständlich zum inklusiven Service zählt.

Dieses sind nur vier Beispiele. Und jeder Leser ist dazu aufgerufen sich diese Aufzählung für sein eigenes Umfeld zu erweitern.

Benutze ich nun „Das Internet“ mehr als früher, oder genieße ich einfach mehr Komfort als zuvor? Ist es nicht vielmehr die Erweiterung meiner Bequemlichkeit in welcher das Internet nur eine der herausragenden Technologien ist, welche mir dieses ermöglicht?

Stefan erweitert die Fragestellung noch um einige Punkte.

Und da fallen mir eine Vielzahl an Aspekten ein:

  • Wie hat das Internet unsere Kommunikation verändert?
  • Wie wirkt sich die “always on” Haltung auf unser Privatleben aus?
  • Wie gehen wir mit der Reizüberflutung um?
  • Sind wir noch in der Lage unser eigenes Lebenstempo zu bestimmen?
  • Gibt es, gerade für Social Media Enthusiasten und Webworker eigentlich noch eine Trennung von privatem und beruflichem Leben?
  • Welche gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen hat die zunehmende Onlinezeit?
  • Wie können unsere Kinder sinnvoll an einen digital lifestyle herangeführt werden?

Ich habe zu diesen Fragen keine Antworten bekommen und über deren Diskussion bisher quasi nichts gelesen.

Social Media Enthusiasten, Webworker oder ein Internet-Nutzer. Ist dieses denn relevant?

Aus meinem Alltag konnte ich eigentlich beobachten, dass die Gesellschaft sich konditioniert. Sie passt sich an. Der Mensch geht mit den Dingen. Dieses nennt sich Fortschritt.

Ich habe hier keine Reizüberflutung im eigentlichen Sinne. Für mich konnte ich z.B. feststellen, dass mir der weltweite Zugang zu Informationen den Blick über sogenannten Tellerrand erlaubt. Wichtig war mir, dass man sich nicht alles mögliche an Seiten im Webbrowser sichert, sondern seine Quellen sortiert aufbereitet und unterschiedliche Perspektiven und Meinungen zulässt und diese auch liest und zumindest versucht, diese nachzuvollziehen.

Ist dieses dann eine Reizüberflutung, oder die Vervollständigung bestimmter Information zum besseren Eigenverständnis?

Jedoch fehlt meines Erachtens ein Schutz der Kinder. Die Frage ab wann mein Kind ein Smartphone benötigt, wird sich der ein oder andere Elternteil wahrscheinlich schon einmal gestellt haben. Zumal diese es sich dann auch Wünschen. Hier beginnt die Konditionierung bereits auf dem Schulhof. Ab einem gewissen Alter haben es einfach „Alle“ und man möchte eben „dazugehören“. Es gab mal einen Ansatz in welchem die Idee eines Schulfaches aufkam. Ich denke es war ein vernünftiger Ansatz und ein logischer Schritt in die richtige Richtung. Jedoch konnte ich dazu in den

Medien bisher nichts neues mehr finden – Das Interesse scheint verloren gegangen zu sein. Oder kam die Idee einfach noch zu früh?

Nichtsdestotrotz sind auch die Erziehungsberechtigten in der Verantwortung Ihren Schützlingen den Umgang mit einer Technologie wie dem des WWW näherzubringen. Dazu gehören die positiven Aspekte, sowie als auch die Gefahren.

Meine kleine erste Zusammenfassung:

  • Das WWW ist eine Technologie, welche einen gewissen Komfort ermöglicht und die menschliche Bequemlichkeit unterstützt.
  • Der (potentielle) Nutzer wird sich konditionieren und sich entsprechend anpassen.
  • Unternehmen (und Staaten) werden dieses unterstützen.
  • Der Gebrauch dieser Technologie und den daraus resultierenden Entwicklungen erfordert ein Mindestmaß an Kompetenz im Umgang mit diesem Medium (Ein Auto darf ich auch nur mit einem Führerschein über die Straßen bewegen)

Mein Fazit ist daher: Ja, das Internet hat unsere Art und Weise der Kommunikation und des Beschaffens von Informationen verändert. Jedoch nicht nur dieses.

Damit möchte ich diesen Artikel auch abschließen. Ein weiteres Thema was mir im Kopf herumschwebt ist die Debatte um Snowden, die NSA und somit die Netzpolitik. Dazu werde ich nachfolgend dann einen Artikel verfassen.

Bild:

nature sky sunset man by pexels.com